Längenänderung und Wärmespannung für 19 technische Werkstoffe, wie sich eine Passung zwischen zwei Teilen bei unterschiedlichen Betriebstemperaturen ändert, und auf welche Temperatur eine Nabe erwärmt oder eine Welle gekühlt werden muss, um einen Schrumpfverband zu fügen – mit gemessenen Tieftemperatur-Schrumpfungsdaten für Trockeneis und flüssigen Stickstoff.
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Jeder Werkstoff hat eine thermische Dehnungskurve ε(T): die Längenänderung je Längeneinheit gegenüber der Bezugstemperatur 20 °C (ISO 1, die Temperatur, für die Passungen und Zeichnungen gelten). Über 20 °C ist die Dehnung der mittlere Ausdehnungskoeffizient α (20–100 °C) mal Temperaturdifferenz. Unter 20 °C verwendet der Rechner gemessene Tieftemperatur-Schrumpfungsdaten des NIST, wo es sie gibt, denn α sinkt, je kälter Metalle werden: In flüssigem Stickstoff gekühlter Stahl schrumpft um etwa 0,19 %, nicht um die 0,25 %, die α × ΔT vorhersagt.
Wälzlager: 120 °C (NSK: „Lager nicht über 120 °C erwärmen“; SKF: nie über 125 °C, sofern der Hersteller nichts anderes angibt; laut SKF reichen meist 80 – 90 °C über Wellentemperatur). Abgedichtete oder gefettete Lager können eine niedrigere Grenze haben – Hersteller fragen. Gehärtete und einsatzgehärtete Teile: 150 °C, da sie meist bei 150 – 200 °C angelassen werden und Härte verlieren, wenn sie über ihre Anlasstemperatur erwärmt werden. Warmausgehärtetes Aluminium (T6): 150 °C, da die Warmauslagerung bei etwa 160 – 180 °C erfolgt und längeres Erwärmen darüber die Legierung überaltert. Unlegierter Stahl und Vergütungsstahl: 350 °C (Zunder, Anlassfarben). Ölbäder: deutlich unter dem Flammpunkt des Öls bleiben (Mineralöle etwa 200 – 250 °C, siehe Datenblatt); über etwa 150 °C Ofen oder Induktionsanwärmgerät verwenden, nie eine offene Flamme an Fertigteilen.
Werkstoffdaten: Stähle, Aluminium, Kupferlegierungen und Titan aus ASM Ready Reference: Thermal Properties of Metals und den Werkstoffnormen (EN 10025, EN 10083, EN 755, EN 1561, EN 1982); Invar nach Aperam/Carpenter; Kunststoffe nach Herstellerdatenblättern (typisch, nicht garantiert); Kalk-Natron-Glas EN 572-1; Borosilikatglas ISO 3585; Beton EN 1992-1-1 (α 10·10⁻⁶ /K, C30/37 Ecm 33 GPa, fctm 2,9 MPa). Tieftemperatur-Schrumpfung: NIST-Fits kryogener Werkstoffeigenschaften für Edelstahl 304, 6061-T6, OFHC-Kupfer, Ti-6Al-4V, Stahl Fe-3,25Ni (innerhalb 2 % von Eisen nach NBS Monograph 29), Invar, PTFE und Polyamid.
Dieser Rechner ermittelt, wie stark ein Teil mit der Temperatur wächst oder schrumpft, wie sich eine Passung ändert, wenn die Teile bei unterschiedlichen Temperaturen laufen, und wie heiß die Nabe bzw. wie kalt die Welle sein muss, um einen Schrumpfverband zu fügen. Er umfasst Längen-, Flächen- und Volumenausdehnung mit der Spannung in einem behinderten Stab, ISO-286-Passungen zwischen zwei Werkstoffen (etwa ein Lager im Aluminiumgehäuse oder eine Stahlwelle in einer Bronzebuchse) und das Schrumpfen durch Erwärmen, Gefriertruhe, Trockeneis oder flüssigen Stickstoff. Unter Raumtemperatur verwendet er gemessene Schrumpfungsdaten statt eines konstanten Koeffizienten. Mechaniker, Monteure, Konstrukteure und Studierende planen damit die Montage, prüfen Passungen bei Betriebstemperatur und vermeiden die Überhitzung von Lagern oder gehärteten Teilen.
Die Nabe auf etwa 200 °C erwärmen oder die Welle in flüssigen Stickstoff legen und die Nabe auf etwa 43 °C anwärmen. Der fertige Verband hat 18 – 59 µm Übermaß, sobald beide Teile wieder Raumtemperatur haben.
Länge mal Wärmeausdehnungskoeffizient mal Temperaturänderung: ΔL = α × L × ΔT. Ein 1 m langer Stahlstab (α ≈ 11,7 µm/m·K), um 50 K erwärmt, wird 1000 × 11,7·10⁻⁶ × 50 = 0,585 mm länger. Die Fläche wächst um etwa 2αΔT, das Volumen um etwa 3αΔT; der Rechner liefert auch die exakten Werte.
Die Bohrung muss sich um das größte Übermaß plus ein Fügespiel aufweiten, damit die Teile ineinandergleiten: ΔT = (Ü_max + Fügespiel) / (α × d). Für eine Stahlpassung Ø50 H7/s6 mit 59 µm Übermaß und 50 µm Fügespiel ist ΔT = 0,109 / (11,7·10⁻⁶ × 50) ≈ 186 K, also etwa 206 °C ab 20 °C bei konstantem α; berücksichtigt man das über 100 °C steigende α von Stahl, reichen etwa 200 °C.
Lagerhersteller begrenzen das Anwärmen mit Induktion oder im Ofen auf etwa 120 °C (NSK; SKF nennt 125 °C), weil höhere Temperaturen Härte und Maßstabilität des Stahls verändern und Dichtungen und Fett schädigen. Abgedichtete oder gefettete Lager können eine niedrigere Grenze haben – Hersteller fragen. Reichen 120 °C nicht, zusätzlich die Welle kühlen.
Von 20 °C auf −196 °C zieht sich unlegierter Stahl um etwa 0,19 % zusammen (1,9 µm je mm), gemessen vom NIST. Das konstante α bei Raumtemperatur würde etwa 0,25 % vorhersagen und die Schrumpfung um rund ein Drittel überschätzen, weil α mit sinkender Temperatur abnimmt. Eine Welle Ø50 verliert etwa 0,096 mm.
Aluminium dehnt sich etwa doppelt so stark aus wie Wälzlagerstahl (≈ 23 gegenüber 12 µm/m·K). Erwärmt sich das Gehäuse, wächst seine Bohrung schneller als der Außenring, und eine Übermaßpassung bei Raumtemperatur kann zur Spielpassung werden. Der Rechner zeigt für die eingegebene Passung und Temperaturen, bei welcher Temperatur die Passung lose wird.
Werden beide Enden starr gehalten, kann sich der Stab nicht ausdehnen, und die Spannung ist σ = E × α × ΔT. Für Stahl (E 200 GPa, α 12 µm/m·K) ergeben 30 K Erwärmung 72 MPa Druck. Lange schlanke Stäbe können schon vorher ausknicken; das prüft der Rechner nicht.
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Geprüft: 7 Ergebnisse von einer separaten Prüfung mit Lehrbüchern, Normen und Herstellerangaben verglichen, 4 Korrektur(en) vorgenommen. Zu den Prüfungen →