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Spindelsteigung berechnen: Steigung und Teilung

Warum Steigung und Teilung nur bei eingängigen Spindeln gleich sind, wie man Gewindebezeichnungen liest, wie man die Steigung misst und was sie für Geschwindigkeit, Drehmoment und Selbsthemmung bedeutet.

Die Teilung P ist der Abstand zwischen zwei benachbarten Gewindeflanken. Die Steigung Ph ist der Weg, den die Mutter bei einer Umdrehung der Spindel zurücklegt. Bei eingängigen Spindeln sind beide gleich, bei mehrgängigen ist die Steigung ein Vielfaches der Teilung. Wer beides verwechselt, rechnet mit falscher Geschwindigkeit, falschem Motormoment und hat an senkrechten Achsen plötzlich eine Spindel, die die Last nicht mehr hält.

TorqueMath · geprüft anhand der unten genannten Normen und der Testfälle des Rechners · Aktualisiert

Teilung, Steigung und Gangzahl

Eine Spindel kann ein oder mehrere Gewinde nebeneinander haben, wie die Streifen einer Zuckerstange. Jedes davon ist ein Gang. Zwischen benachbarten Flanken misst man immer die Teilung; derselbe Gang kommt erst wieder, wenn alle anderen Gänge vorbei sind.

eingängigPh = P (Tr 16×4: P 4, Ph 4)PPhzweigängigPh = 2 · P (Tr 16×8 P4: P 4, Ph 8)PPhP = Teilung: Abstand benachbarter Gewindegänge · Ph = Steigung: Weg pro Umdrehung
Bild 1. Eingängige und zweigängige Spindel mit gleicher Teilung. Bei der zweigängigen Spindel (zwei Farben) legt die Mutter pro Umdrehung den doppelten Weg zurück.
Ph = n · P

Ph Steigung (mm pro Umdrehung), n Gangzahl, P Teilung (mm).

v = Ph · nU/min

Vorschubgeschwindigkeit in mm/min aus der Steigung in mm und der Spindeldrehzahl in U/min. Beispiel: Ph 4 mm bei 300 U/min ergibt 1200 mm/min = 20 mm/s.

Maßgeblich ist die Drehzahl der Spindel. Ist zwischen Motor und Spindel ein Riemenantrieb oder Getriebe angeordnet, gilt Spindeldrehzahl = Motordrehzahl / Übersetzung. Der Wirkungsgrad ändert den Weg pro Umdrehung nicht: Die Steigung ist reine Geometrie, der Wirkungsgrad wirkt nur auf das Drehmoment.

Gewindebezeichnungen lesen

Trapezgewinde nach DIN 103 / ISO 2904 werden mit Nenndurchmesser und Steigung bezeichnet; weicht die Teilung ab, steht sie hinter dem P. Kugelgewindetriebe werden meist mit Durchmesser und Steigung in zwei zweistelligen Gruppen bezeichnet.

Übliche Bezeichnungen
BezeichnungArtTeilung PGangzahlSteigung Ph
Tr 16×4Trapezgewinde, 30°4 mm14 mm
Tr 16×8 P4Trapezgewinde, 30°4 mm28 mm
Tr 8×8 P2Trapezgewinde (3D-Drucker)2 mm48 mm
SFU 1605Kugelgewindetrieb Ø16–siehe Hersteller5 mm
SFU 1610Kugelgewindetrieb Ø16–siehe Hersteller10 mm
SFU 2005Kugelgewindetrieb Ø20–siehe Hersteller5 mm

Beim Kugelgewindetrieb zählt für Geschwindigkeit und Drehmoment nur die Steigung; die Anzahl der Kugelumläufe ist ein Herstellerdetail. Beim Trapezgewinde immer prüfen, ob die zweite Zahl die Steigung oder die Teilung ist.

Spindelsteigung messen

  1. Gänge zählen am Spindelende: Die Zahl der Gewindeanfänge rund um den Umfang ist die Gangzahl.
  2. Teilung messen mit dem Messschieber über mehrere Flanken, zum Beispiel über 10 Teilungen, und durch 10 teilen. Für gängige Teilungen geht auch eine Gewindelehre.
  3. Multiplizieren: Steigung = Gangzahl × Teilung.
  4. Durch Drehen prüfen: Mutter markieren, Spindel genau eine Umdrehung drehen und den Weg messen. Das ergibt direkt die Steigung und deckt Zählfehler bei den Gängen auf.

Auf einem Foto oder einer Zeichnung nicht einfach von einer Flanke zur nächsten messen, ohne die Gangzahl zu kennen: Bei eingängigen Spindeln ist das die Steigung, bei mehrgängigen nur ein Bruchteil davon.

Was die Steigung verändert

Bei gleicher Motordrehzahl ergibt eine größere Steigung proportional mehr Vorschubgeschwindigkeit, der Motor muss aber proportional mehr Drehmoment liefern, und die Spindel hält die Last seltener von selbst.

T = F · d₂/2 · tan(λ + ρ') λ = atan(Ph / (π · d₂))

T Antriebsmoment, F Axialkraft, d₂ Flankendurchmesser, λ Steigungswinkel, ρ' Reibwinkel = atan(μ / cos 15°) beim 30°-Trapezgewinde. Mit der Gleitreibung μ = 0,12 ergibt sich ρ' = 7,08°. Für die Prüfung der Selbsthemmung rechnet der Rechner mit Haftreibung μs = 1,25 × μ = 0,15, also ρ's = 8,83°. Ist λ kleiner als ρ's, ist die rechnerische Selbsthemmungsbedingung unter den angenommenen Reibwerten erfüllt. Das ist keine garantierte Haltefunktion: Stöße, Vibrationen und veränderte Reibung können eine Spindel kriechen lassen.

Schritte pro mm = Schritte pro Umdrehung × Mikroschritte / Ph

Beispiel: 200 Schritte × 16 Mikroschritte / 4 mm = 800 Schritte/mm. Das entspricht einer rechnerischen Befehlsauflösung von 1,25 µm pro Mikroschritt, nicht einer garantierten Positioniergenauigkeit. Schrittfehler, elastische Verformung, Spiel und Mikroschritt-Nichtlinearität bleiben unberücksichtigt. Bei Riemen oder Getriebe zwischen Motor und Spindel die Übersetzung einrechnen.

Gleicher Durchmesser, andere Steigung (Ergebnisse des Rechners: 2 kN Last, 300 U/min, Gleitreibung μ = 0,12, Haftreibung μs = 0,15, Lagerung fest–los, 800 mm)
SpindelVorschubgeschwindigkeitAntriebsmomentWirkungsgradRechnerisch selbsthemmend?
Tr 16×41200 mm/min3,05 N·m42 %ja: λ 5,2° < ρ's 8,8°
Tr 16×8 P42400 mm/min4,39 N·m58 %nein: λ 10,3°, die Last braucht 0,79 N·m Haltemoment
Kugelgewindetrieb 16051500 mm/min1,67 N·m95 %nein: Kugelgewindetriebe sind in der Regel nicht selbsthemmend

Rechnerische Selbsthemmung ist keine Sicherheitsfunktion. Bei vertikalen oder sicherheitsrelevanten Lasten ist eine unabhängig ausgelegte Bremse beziehungsweise Haltefunktion erforderlich.

Rechenbeispiel: Tr 16×4 oder Tr 16×8 P4 für eine Hubachse mit 2 kN

  1. Aufgabe: 2 kN mit mindestens 20 mm/s heben, Motordrehzahl 300 U/min, senkrechte Achse.
  2. Tr 16×4: eingängig, P = 4 mm, Ph = 4 mm. Geschwindigkeit = 4 × 300 = 1200 mm/min = 20 mm/s. Der Rechner liefert 3,05 N·m Antriebsmoment und 42 % Wirkungsgrad. Der Steigungswinkel von 5,20° liegt unter dem Haftreibwinkel von 8,83° (μs 0,15): Im vereinfachten statischen Modell erfüllt Tr 16×4 die Bedingung für Selbsthemmung. Daraus folgt jedoch keine garantierte Haltesicherheit; an einer senkrechten Achse ist trotzdem eine unabhängig ausgelegte Halte- beziehungsweise Sicherheitsfunktion erforderlich.
  3. Tr 16×8 P4: zweigängig, P = 4 mm, Ph = 2 × 4 = 8 mm. Die Geschwindigkeit verdoppelt sich auf 40 mm/s, der Wirkungsgrad steigt auf 58 %, das Moment aber auf 4,39 N·m, und der Steigungswinkel von 10,31° liegt über dem Reibwinkel: Die Last kann die Spindel zurückdrehen, also ist eine Bremse oder ein selbsthemmendes Getriebe nötig.
  4. Mit Schrittmotor (200 Schritte, 16 Mikroschritte): Tr 16×4 ergibt 800 Schritte/mm, Tr 16×8 P4 400 Schritte/mm.

Tr 16×4 schafft 20 mm/s und erfüllt die rechnerische Selbsthemmungsbedingung, Tr 16×8 P4 ist doppelt so schnell und wirkungsvoller, dreht aber zurück. An dieser senkrechten Achse brauchen beide eine eigens ausgelegte Bremse oder Haltefunktion; Selbsthemmung ist nie die Sicherheitsfunktion.

Häufige Fehler

Quellen und Normen

Ihre Spindel prüfenDurchmesser, Steigung und Gangzahl, Last und Drehzahl eingeben: Sie erhalten Motormoment, Vorschubgeschwindigkeit, Wirkungsgrad, Selbsthemmung, kritische Drehzahl, Knickung und Schritte pro mm.
Zum Rechner →

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen Steigung und Teilung?

Die Teilung ist der axiale Abstand benachbarter Gewindeflanken. Die Steigung ist der axiale Weg der Mutter bei einer Umdrehung. Steigung = Gangzahl × Teilung, daher sind beide nur bei eingängigen Spindeln gleich.

Was bedeutet Tr 16×8 P4?

Ein Trapezgewinde mit 16 mm Nenndurchmesser, 8 mm Steigung und 4 mm Teilung. Da 8 / 4 = 2 ist, ist es zweigängig: Die Mutter bewegt sich 8 mm pro Umdrehung.

Was bedeutet 1605 beim Kugelgewindetrieb?

16 mm Nenndurchmesser und 5 mm Steigung. 1610 ist 16 mm mit 10 mm Steigung, 2005 ist 20 mm mit 5 mm Steigung.

Wie berechne ich die Vorschubgeschwindigkeit aus der Spindelsteigung?

Geschwindigkeit (mm/min) = Steigung (mm) × Spindeldrehzahl (U/min). 5 mm Steigung bei 600 U/min ergibt 3000 mm/min = 50 mm/s. Bei langen Spindeln die kritische Drehzahl im Gewindetrieb-Rechner prüfen.

Ist ein Trapezgewinde immer selbsthemmend?

Nein. Die rechnerische Selbsthemmungsbedingung ist nur erfüllt, wenn der Steigungswinkel kleiner als der Reibwinkel ist (mit Haftreibung). Eingängige Spindeln mit kleiner Steigung erfüllen sie meist, mehrgängige mit großer Steigung oft nicht. Auch dann können Stöße, Vibrationen und veränderte Reibung die Spindel kriechen lassen; Selbsthemmung ersetzt an einer senkrechten Achse nie die Bremse.