Die Länge einer Motorradkette wird in Gliedern (Teilungen) angegeben, nicht in Millimetern. Sie hängt von der Kettenteilung, den Zähnezahlen von Ritzel und Kettenrad und dem Achsabstand zwischen Getriebeausgangswelle und Hinterachse ab. Die Formel gilt für jede Rollenkette; am Motorrad gleichen die Kettenspanner dann den Unterschied zwischen berechnetem und tatsächlichem Achsabstand aus.
TorqueMath · geprüft anhand der unten genannten Normen und der Testfälle des Rechners · Aktualisiert
Die Formel für die Gliederzahl
X Gliederzahl (Teilungen), C Achsabstand, p Kettenteilung (gleiche Einheit wie C), z₁, z₂ Zähnezahl von Ritzel und Kettenrad.
Die berechnete Gliederzahl X auf die benachbarten geraden Gliederzahlen ab- und aufrunden. Eine Kette mit ungerader Gliederzahl braucht ein gekröpftes Glied, das schwächer ist und am Motorrad im Allgemeinen nicht verwendet wird. Für beide Varianten den erforderlichen Achsabstand berechnen und prüfen, welche innerhalb des zulässigen Kettenspannerbereichs ausreichend Einstellreserve bietet. Nicht grundsätzlich die längere Kette wählen.
Das Ergebnis ist eine berechnete Ausgangslänge, die am Motorrad zu prüfen ist: Kette mit der Achse in den Spannern auflegen und den Durchhang so einstellen, wie der Motorradhersteller es vorgibt. Bei vielen Motorrädern ist die Kette bei einer bestimmten Schwingenstellung am straffsten, das muss beim Einstellen berücksichtigt werden.
Kettengrößen: 420, 428, 520, 525, 530
Bei den hier aufgeführten dreistelligen Kettenbezeichnungen kennzeichnet die erste Ziffer die Teilung in Achtelzoll. Die übrigen Ziffern codieren die Kettenausführung, insbesondere die Breitenreihe; die tatsächliche Innenbreite ist der Maßtabelle zu entnehmen.
| Größe | Teilung | Lichte Weite | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| 420 | 1/2 Zoll = 12,70 mm | 6,35 mm | Mopeds, kleine 50–125 cm³ |
| 428 | 1/2 Zoll = 12,70 mm | 7,94 mm | 125–250 cm³ |
| 520 | 5/8 Zoll = 15,875 mm | 6,35 mm | Enduro, Motocross, viele Sportmotorräder |
| 525 | 5/8 Zoll = 15,875 mm | 7,94 mm | mittlere und große Straßenmotorräder |
| 530 | 5/8 Zoll = 15,875 mm | 9,53 mm | große und ältere schwere Motorräder |
Die Einsatzbereiche sind nur Anhaltswerte. Immer die Größe und Bauart (Standard, O-Ring, X-Ring) einbauen, die Motorrad- und Kettenradhersteller vorgeben.
Was ein Ritzel- oder Kettenradwechsel bewirkt
Der Term (z₁ + z₂)/2 bedeutet: Jeder zusätzliche Zahn, vorne oder hinten, braucht etwa ein halbes Glied mehr. Zwei Zähne mehr am Kettenrad brauchen also etwa ein Glied mehr. Weil die Zahl gerade bleiben muss, passt bei kleinen Änderungen oft noch die alte Kette, nur die Hinterachse wandert.
- Hinterachsposition: Zwei Glieder mehr oder weniger verschieben die Achse um etwa eine Teilung, also rund 16 mm bei 520/525/530 und 12,7 mm bei 420/428.
- Übersetzung: Das Verhältnis ist z₂ / z₁. Mehr Zähne hinten oder weniger vorne ergeben mehr Durchzug und weniger Geschwindigkeit bei gleicher Motordrehzahl.
- Umschlingung und Verschleiß: Sehr kleine Ritzel (unter etwa 15 Zähnen) verschleißen die Kette schneller und laufen unruhiger.
Achsabstand und alte Kette messen
- Als Orientierung mit dem Hinterrad in der Mitte des Spannbereichs messen, damit eine neue Kette gespannt und später nachgestellt werden kann. Für die tatsächliche Montage gilt das Verfahren des Motorradherstellers.
- C von der Mitte der Getriebeausgangswelle (Ritzel) bis zur Mitte der Hinterachse messen.
- Oder die alte Kette zählen: Bei der üblichen Motorradketten-Längenangabe entspricht eine Teilung einer Bolzen- beziehungsweise Rollenposition. Bei einer geschlossenen Kette zählt man alle Bolzen einmal rundherum, einschließlich des Kettenschlosses. Nicht die Anzahl der Innen- oder Außenlaschenpaare zählen.
- X berechnen, auf eine gerade Zahl aufrunden und den sich ergebenden Achsabstand mit dem Spannbereich vergleichen.
Bei verschlissener Kette Kette, Ritzel und Kettenrad zusammen tauschen und die Verschleißgrenze sowie die Empfehlung zum Kettenschloss des Kettenherstellers beachten. Viele Hersteller schreiben bei größeren Motorrädern ein Nietschloss vor.
Das Kettenschloss für das genaue Kettenmodell wählen, nicht nur nach der Größe: Schlösser verschiedener Kettenmodelle gleicher Größe passen nicht immer.
Rechenbeispiel: 520er Kette, 15 / 45 Zähne, 600 mm Achsabstand
- Teilung p = 15,875 mm (520), z₁ = 15, z₂ = 45, gemessener Achsabstand C = 600 mm mit dem Hinterrad in der Mitte des Spannbereichs.
- X = 2 × 600 / 15,875 + (15 + 45)/2 + ((45 − 15)/(2π))² × 15,875 / 600 = 75,59 + 30 + 0,60 = 106,19 Glieder.
- Benachbarte gerade Gliederzahlen: 106 und 108 Glieder. Der Rechner ergibt für 106 Glieder einen Achsabstand von 598,4 mm (1,6 mm vor den gemessenen 600 mm) und für 108 Glieder 614,4 mm (14,4 mm weiter hinten).
- Bei 600 mm Achsabstand liegt die rechnerisch passende Kettenlänge näher bei 106 Gliedern. Welche Länge tatsächlich geeignet ist, hängt vom zulässigen Einstellbereich, der vorgesehenen Kettenspannung und den Herstellervorgaben ab. Beide Varianten sind vor der Auswahl zu prüfen.
- Mit einem Kettenrad mit 47 Zähnen: X = 107,28; die benachbarten geraden Zahlen sind 106 (589,8 mm) und 108 (605,8 mm). Die Übersetzung steigt von 3,000 auf 3,133, die Geschwindigkeit bei gleicher Motordrehzahl sinkt um etwa 4 %.
Für die angegebenen Werte ergibt sich X ≈ 106,19 Teilungen. Als mögliche Standardlängen kommen zunächst 106 und 108 Teilungen infrage. Rechnerisch entspricht dies Achsabständen von etwa 598,4 mm beziehungsweise 614,4 mm. Ohne den tatsächlichen Verstellbereich lässt sich keine der beiden Längen verbindlich auswählen: beide am Motorrad prüfen.
Häufige Fehler
- Laschen oder Laschenpaare statt Bolzen zählen. Die Gliederzahl zählt Teilungen: ein Bolzen = ein Glied.
- Immer aufrunden oder auf eine ungerade Zahl runden und ein gekröpftes Glied einbauen. Beide benachbarten geraden Gliederzahlen vergleichen.
- Den Achsabstand bei ganz vorne oder ganz hinten stehender Achse messen, sodass kein Spannweg für Spannung und Längung bleibt.
- Teile von 520, 525 und 530 mischen: Die Teilung ist gleich, die Breiten sind verschieden, und das Kettenrad muss zur Kette passen.
- Eine neue Kette auf verschlissene Ritzel und Kettenräder montieren. Ein verschlissenes Rad verschleißt die neue Kette schnell.
- Die berechnete Gliederzahl ist ein Ausgangswert. Am Motorrad prüfen und den Durchhang nach Herstellerangabe einstellen.
Quellen und Normen
- ISO 10190:2008 – Motorradketten: Maße, mechanische Eigenschaften und Prüfverfahren. ISO 606 und ANSI B29.1 behandeln allgemeine Rollenketten und ersetzen nicht die motorradspezifischen Anforderungen. Die Auswahl der Kette und des Kettenschlosses muss den Vorgaben des Motorrad- und Kettenherstellers entsprechen.
- Maße der Ketten 420–530: Maßtabellen der Kettenhersteller (z. B. D.I.D).
- Gliederformel: Geometrie der Rollenkette wie in den Handbüchern der Kettenhersteller (z. B. Renold, Tsubaki, Iwis) und in Roloff/Matek Maschinenelemente, umgesetzt in unserem Kettentrieb-Rechner, so wurde er geprüft.